Freitag, April 14, 2017

No New Deal

In einer verwirrten Vermengung aus Verzweiflung und Hoffnung hatte ich tatsächlich sekundenlang an einen “New Deal” geglaubt.
Verzweiflung, weil mir schon so peinlich bewusst war und ist, dass Österreich Österreich ist.
Hoffnung, weil mir schon so peinlich bewusst bleibt, dass Österreich Österreich ist.

Kern ist vollmundig angetreten und ich behaupte von mir, dass ich nicht leicht zu überzeugen bin.
Aber nun. Er hat mich fasziniert.

Das ist alles Vergangenheit.

Die großen Worte sind gesagt. Die großen Gesten sind getan.
Die Freunde sind in Stellung gebracht. Die Sachen ausgemacht.

Von großen Worten sind kleinste Taten geblieben.
Große Ankündigungen. Kleinkriege auf höchster Ebene.

Shame on you, Herr Kanzler.
Shame on you.

Montag, März 27, 2017

ABENDLAND

Der Wasserschlauch lag im Pool und pumpte ständig frisches Wasser hinein. Ich dachte an die hin und wieder auftretende Wassernot in den Sommermonaten im nördlichen Italien, drehte den Wasserhahn ab und nahm den Schlauch aus dem Pool. Später, beim gemeinsamen Abendessen - die blonde Staatsanwältin hatte Pizzen für die gesamte Gesellschaft geholt - fragte er mich, ob ich das Wasser abgedreht hätte. Ich weiß bis heute nicht, wie sein Nicken gemeint war. Später trank man noch Grappa und er gab eine sehr amüsante Hitler-Parodie zum Besten. Am selben späten Abend war es, wenn ich mich recht entsinne, dass er mir den Schlüsselbund zu seinem Anwesen übergab und mich bat, die Türen abzuschließen, wenn alle gegangen wären. Er war müde und zog sich in seine Schlafgemächer im oberen Stock zurück. Unten ging die Party bei bestem Rotwein, wunderbaren Gesprächen und schönen Gerüchen weiter. Ich hatte ein Gästezimmer im Erdgeschoß, das immer mit einem riesigen Lavendelstrauch bestückt war, ein kleines Badezimmer, geschmackvollst eingerichtet, ausgestattet mit Handtüchern, die mit den Initialen A.H. bestickt waren.
Eines Morgens rief er vom Balkon seines Schlafzimmers in den Vorgarten: “Wissen Sie, Herr Gelbmann, ich lese gerade eine Biographie über Oscar Wilde.”, was ich wiederum mit einem Nicken kommentierte, denn was sollte ich auch dazu sagen, war ich doch damit beschäftigt, eine ganze Menge Musiker so zu koordinieren, dass am Ende ein verkaufbares Album entstehen würde, ohne das Budget zu sprengen, was bei einer Ansammlung von Künstlern dieser Klasse nicht ganz einfach war.
Im Nachhinein betrachtet war es sicher ein Fehler, dass ich diese grandiosen Tage in Gardone nicht viel mehr genossen habe. Noch heute fallen mir immer wieder seinerzeitige Begegnungen ein, denen ich damals viel zu wenig Beachtung schenkte. Ein von Grandezza sprühender, kurz vor dem Ruhestand stehender Künstlermanager, der mich auf sein Segelboot einlud, um sich dafür zu bedanken, dass ich das Projekt und somit soweit auch seinen Künstler im Griff hatte. Völlig überdrehte  Besprechungen im Pool, alle nackt außer mir (man hatte mir auf meine Bitte hin eine Badehose gebracht), bekiffte Nächte im Grand Hotel Gardone am Ufer des Gardasee und lange Fußmärsche zurück ins Zimmer durch die endlosen Gänge, die seinerzeit schon Stefan Zweig inspiriert hatten. Spaziergänge mit ihm durch den wirklich wundersamen Garten, das Notizbuch in der Hand, um keine Idee zu verlieren, während die Koi-Karpfen einen kleinen Hinweis auf meine persönliche Zukunft andeuteten.
Zurück fuhr ich dann meist über den Brenner, und wenn ich davor Südtirol durchquerte und mir die frischen Aufnahmen anhörte, passierte es, dass ich tränenreich auf die nächste Raststätte abbiegen musste, um nicht von Emotionen übermannt einen Unfall zu veranstalten. Es waren mit Sicherheit die größten Momente meines Musikmanager-Daseins. Es gab noch keinen iPod und schon gar kein Smartphone. Es waren die letzten Jahre in einem völlig überfrachteten old-school-Tempel, die ich - bauernschlau wie ich manchmal bin - zu nutzen wusste. Es war die richtige Zeit für so ein Projekt und er war der einzige, der dem ganzen die notwendige Größe geben konnte.
Ich schrieb einmal in mein Notizbuch: “Er ist der einzige Dylan, den ich je persönlich kennengelernt habe.” Und das bringt es noch immer auf den Punkt.
Alles Gute, geschätzter, väterlicher Freund. Ich achte und verachte Dich, während ich Dich herzlichst umarme.

Sonntag, Juni 05, 2016

New Deal. Get it fucking real!

1999 glaub ich, war das.
London, wenn ich mich nicht irre. Schickes Hotel. Superdupa. Alles Fein.
Good Money. All in shape.
Niemand wollte glauben, dass sowas wie Napster etwas auslösen könnte, was uns Major-Fuzzis ruinieren könnte.
Ich frischgfangt tappe mich durch Major-Haie und entdecke das Buffet. Rede mit dem griechischen Vertriebs-Chef und einer Unmenge von anderen Mensch.
Barcelona, Tage später, das ich aus Interrail-Zeiten rucksackreisend erkundet kannte, war plötzlich eine andere Stadt geworden.
Man schläft nicht in den teuersten Zimmern eines Hotels, wenn man gerade verschwitzt und seltsam desorientiert seinen schweren Rucksack aus dem Zugwagon gekarrt hat.
Nun war ich in der anderen Welt. Was für eine Zeitreise.
Auch die Amis waren da. Die großen Bonzen, wo man schon aus der Entfernung sah, dass die Superstars der Leinwand lediglich Make-Up sind.
Und wir sitzen und wir reden. Man hört zu. All big business.
Und die haben alle keinen Tau, keine Ahnung, keinen Plan. Da ist sowas wie mp3. What the fuck?
Und jeder spürte: Da ist was im Unterholz. Im Dickicht.
Grosse Reden. Teilweise wirklich groß. Mein Schweizer Kollege spricht über Millionen von Napster-Usern, die nichts zahlen für Musik. Er ist fesch. Die Big Shots mustern ihn kritisch. Das Gesagte verhallt im Raum.
Ich, dumm. Keine Ahnung von dem Ganzen. Doch, doch. Ich merke, da brodelt etwas. No one knows anything. No: No one wants to know anything.

Why do I write this?

In genau diesen Jahren hat sich die Musik-Branche selbst ruiniert, weil sie die Zeichen der Zeit (Sign O The Times – PRINCE) nicht erkennen WOLLTE. WOLLTE, weil sie – die Branche – die Chance gehabt hätte, zu reagieren. Sie hätte mp3 als vorübergehend künftiges Format anerkennen können, anstatt es zu bekämpfen.

Der Rest ist traurige Geschichte. Millionen tote Arbeitsplätze. Eine ganze Industrie ruiniert. Übernahme der Leitfunktion im Musikbusiness durch Apple. Preisdiktion, Download, Streaming, BlaBlaBla...

Die allerletzten großen Musik-Kataloge werden in wenigen Jahren ausgewaidet sein. Das Urheberrecht kommt so und so nicht nach. End of Story.

DAS ist ein ROLE-MODEL, wie man es NICHT machen soll.



AND NOW THE BIG QUESTIONS:

WAS HAT DIE EU DARAUS GELERNT???
WAS HAT UNSERE NEUE NEW-DEAL-REGIERUNG DARAUS GELERNT???
WAS WIRD SICH ÄNDERN UND WANN???

IST DIESE ART VON DEMOKRATIE UND EFFEKTIVER REGIERUNG ÜBERHAUPT NOCH KOMPTIBEL MIT DER HEUTIGEN ZEIT?



Ich persönlich habe gelernt:

Österreich hat das unternehmerisch-feindlichste Klima, das ich je geschnuppert habe.
Einzel- und Kleinstunternehmer werden schickaniert bis zur Schmerzgrenze.
Die gewerbliche Sozialversicherung ist ein absoluter Horror.
Meinem Sohn würde ich nie aktiv raten, unternehmerisch selbständig zu werden.
Wer hier was aufbauen will und nicht klug vernetzt ist, ist verloren.
Es lohnt sich, parteipolitisch geschickt verwoben zu sein.
Handwerk hat goldenen Boden.
Aber die Ausbildung dazu ist nur vom Unternehmen abhängig.
Das Bildungssystem ist unter jedem Hund.
Die Kinderbeihilfe ändert sich alle paar Jahre. Keine Sau kennt sich auch. Ein absolutes Desaster.
Arbeitsplätze werden nur punktuell geschaffen, aber nicht strukturell.
Der elende Föderalismus ist nur mehr unerträglich.



NEW DEAL?

LERNEN SIE GESCHICHTE!

Samstag, Mai 28, 2016

Ekelhaft.
Es haftet Ekel an.
Das meint dieses Wort: Ekelhaft.
Eine überaus bourgeoise Meinungsgelassenheit kotzt sich genau darüber aus, dass ein fatal silberblickender, leicht durchschaubarer Rattenfänger am Stock fast gewonnen hätte. Die Peinlichkeit – im Sinne von “Schmerz” - liegt nicht daran, dass der eine verloren und der andere gewonnen hat. Die Peinlichkeit ist diese gesichtsrötende Freude, die die Bobos daran haben.
Diese sonnenbebrillten Besserverdiener, die nicht verstehen wollen, dass sie genau in diesem Augenblick das bewiesen haben, was sie sind.
Es gibt die tiefen Gräben. Nämlich diese zwischen Hacklern und den anderen.
Ein Volkswirtschaftsprofessor mit gelben Zähnen und langsamen Gehabe wird das sicher nicht ändern.
Ein ehemaliger ÖBB-Manager mit tiefer Stimme und hoffnungsfrohen Versprechungen eher.
Mein Ekel haftet aber vorallem an den grosskotzigen Besserverdienern, die den fragenden schweißgebadeten Arbeitsklamottenträgern nichts entgegen zu setzen haben.
Man kann seine Intelligenz für vieles einsetzen. Aber nur dann, wenn man sie zur Verfügung hat.
Manch eine kommt gar nicht dazu, großartig nachzudenken – so wie ich das gerade tue - während sie ihr Kind wickelt und dann füttert.
Sind wir das, was wir sein wollen?
Ist das das Land, in dem wir leben wollen?
Hab ich alle Menschen in meinem Umfeld genau so oder besser behandelt, wie ich selbst behandelt werden will?
Hab ich meinem Nachbarn schon ein Busserl gegeben und wenn nein, warum nicht?

Viele von meinen Nachbarn haben sicher Hofer gewählt. Nichts genaues weiß ich nicht.
Busserl krieg ich immer wieder.
Und Hundehütte.
Ferkel.
Wiesen.
Liebe Grüße.
Reparierte Dächer.
Tipps fürs Fischen.
Einen Fischteich.
Holz zum Heizen.
Ein Herz und ein Ohr, wenn es wirklich schlecht geht.
Ein Bier, oder zwei, im Vorbeigehen und in der Garage stehen.

Viele von meinen Nachbarn haben sicher Hofer gewählt. Oder die Blauen, vorher die Orangen. Was weiß ich...
Mir ist das wurscht.

Man kann die Menschen nicht lieben, wenn man sie nicht versteht.
Man kann aber die Menschen auch nicht verstehen, wenn man sie zumindest nicht mag. Wenn schon nicht liebt.

Und das ist mein großer Unterschied zu all denen, die Spaltung, Trennung, Abgrenzung, Abschiebung im Programm haben.

Alles, was lebt, liebt.
Alles, was lebt, lebt.
Alles, was ist, ist.
Nichts ist nichts.



Und übermorgen ein Gedicht.

Freitag, Jänner 01, 2016

2016 ff

To My Son


May you never be bluntly hurt or stomped down by useless troublers or anyone else
But always keep your head up high.

Love the ones who are worth it, but more the ones, you don’t understand.
And most of all yourself.
And always keep your head up high.

It is probably maybe a wicked world, but you are not the one to get lost in it.
And if you do – don’t worry. It might be interesting.
And always keep your head up high.

Love is not the cure, but mostly the cause.
And if it is true, it is always enlightening.
And if you feel really bad:
Always keep your head up high.

And please remember: You are truly loved.

Montag, September 14, 2015

Kommende

Ich habe Neujahr 1992 in Budapest verbracht.
Es war ein einziges Feuerwerk.
 

Meine gesamte Jugend war geprägt von Offenheit und grenzenloser Neugier.
Ich habe Bier getrunken in Prag und bin im Tacheles in Berlin herumgestapft.
Ich habe die kohlegeschwängerte Luft des Ostens genossen
Und mir keinen einzigen kleinen Moment dabei gedacht, besser zu sein.
Ich kenne nichts besseres als diese Welt.
Und diese Welt hat sich mir immer nur erschlossen durch Menschen, die mir das näher brachten, was ich vorher nicht kannte.

Manche Einsätze im Flüchtlingslager Traiskirchen Anfang der Neunziger waren schlimm. Ein randalierender Schwarzafrikaner im fahrenden Rettungsauto ist nicht lustig. Es hat mich nachhaltig geprägt, einen HIV-positiven Irgendwoher-Kommenden einfach auszusetzen. Latex-behandschuht hab ich ihm noch alles gute gewünscht und in seine verzweifelten Augen geschaut. Das Funkgerät hat bestätigt, dass wir rechtens handeln. Auch das war 1992.

So tun wir also alle, als hätte es das alles nie gegeben.

Selbstverständlich rennen die um ihr Leben, die um es fürchten müssen. Das war nie anders. Das wird auch nie anders sein.

Das, was uns jetzt hoffentlich peinlich berührt, ist die Scham darüber, dass wir es schon seit Jahrzehnten hätten besser machen können.
Die, die jetzt kommen, sind nämlich keine Flüchtlinge. Sie sind Kommende. Sie kommen dorthin, wo es besser ist. Und das ist ihr gutes Recht.

Sonntag, Dezember 28, 2014

And even this is simply great.

Wer wird Euch treffen?
Mitten ins Herz?
Die langweilig angepassten oder das Ebenbild Eurer eigenen hilflosen Schnapperei nach Bedeutung.

Wer wird Euch helfen?
Wenn das Herz steht.
Die komischen Menschen in komischen Anzügen, nie gekannt, aus dem Mund stinkend, hilflose Blicke rundherum.

Wer macht sich Sorgen?
Wer blickt in das sterbende Auge?
Was ist Freundschaft wert, wenn sie schon an der Schwelle zur Eitelkeit in Worten zerbricht?

Und nicht einmal SONGS können diese Leere füllen.

Wobei auch der SONG die einzige Chance bleibt.

Der SONG ist alles. Im besten Falle Exorzismus, Gedicht, Poem, Hit und Fick in einem.
Im schlechtesten Fall einfach ein SONG.

And even this is simply great.